Es bringt auch nicht viel, aber man kann sich über Boris Johnson genauso gut ärgern wie über Donald Trump. Die beiden haben viel gemeinsam: Sie tragen nicht nur ähnlich aus der Zeit gefallene Frisuren, sondern sind sich auch bezüglich Skandale, Lügen und losem Mundwerk ebenbürtig. Auch wenn es darum geht, eine starke Polit-Marke zu schaffen, steht Boris Donald in nichts nach. Nach Trumps «Great again» setzte Boris auf einen nicht minder wirkungsvollen Wahlspruch. Seine Kampagne trug den Namen «Back Boris» und das blaue Logo verband den Slogan mit seinem haarigen Markenzeichen. Mit «Back» meinte Johnson natürlich nicht nur sein Comeback sondern auch ein «Zurück zu früher», in die Zeit, in der alles besser war. Boris Johnson, unter seinen wirren Haaren ein wohl deutlich schlauerer Kopf als Trump, weiss natürlich, dass dieses «bessere Früher», mindestens seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, nie wirklich existierte (ein erhellender Artikel dazu von Constantin Seibt auf republik.ch: «Die Schlacht um England»).

Allzu genau will sich Johnson aber auch gar nicht mit der Vergangenheit beschäftigen. Das Gefühl, welches «Back Boris» auslöste, schaffte die gewünschten Emotionen und führte zum Erfolg. Kurz, prägnant und stark. Sein Kampf für den Brexit entwickelt sich nun genau zum Gegenteil. Wie Donald versucht auch Boris zwar, jede erdenkliche Wendung als seinen Erfolg zu verkaufen, aber so blöd sind die Leute dan

n doch nicht. Die selbst gelegte Schlinge zieht sich zu. Auch Polit-Marken sollten nur versprechen, was mindestens im Ansatz zu halten ist. Dies hat auch Obama mit «Yes We Can» schmerzhaft lernen müssen, als seine ausgelösten Enttäuschungen einen Trump erst salonfähig machten.

Wie viele sehr erfolgreiche Polit-Marken ermöglichte «Back Boris» mit einem unrealistischen Versprechen einen steilen Aufstieg. Der Fall kann um so tiefer sein. Manch ein Brite wünscht sich Boris zurück in die Redaktionsstuben von «Daily Telegraph» oder «Spectator», wo er als Journalist und Herausgeber zwar auch Unsinn veranstaltete, aber nicht mit der Zukunft ihres Landes spielte. So wird sich «Back Boris» in den nächsten Monaten wahrscheinlich weiterentwickeln – zu «Back Boris, where you came from».