Keine Angst, wir versuchen uns nicht in Sportberichterstattung. Es geht in diesem Artikel um CEO-Kommunikation. Genauer gesagt um den Umgang von Führungskräften mit erzielten Resultaten. Dafür bot Liverpools Trainer letzte Woche guten Anschauungsunterricht.

Letzten Mittwochabend besiegte der FC Barcelona den FC Liverpool im Champions League Halbfinal-Hinspiel. Das Resultat 3:0 sprach eine deutliche Sprache. Barças Lionel Messi hatte es wieder allen gezeigt. Im Interview nach dem Match überraschte Liverpools Trainer Jürgen Klopp dann aber mit exzellentem Führungsverhalten. Er akzeptierte, dass man alles richtig machen und trotzdem verlieren kann. Und er war voll des Lobes für sein Team. Klopp: «Ich habe richtig Spass gehabt an diesem Spiel. Ausser am Ergebnis fand ich alles gut.»

Dies war ein Steilpass für den ZEIT-Online-Kolumnisten und Philosophen Wolfram Eilenberger. Unter dem Titel «0:3, aber sonst war alles super.» verneigte sich der Autor vor Klopps Gelassenheit: «Unsere gesamte Kultur wäre nun eine andere – und womöglich deutlich gesündere – wenn sich mehr Menschen in ausgezeichneten Leitungsfunktionen dazu ermannen könnten, dieses Eingeständnis existenzieller Ausgesetztheit und damit auch Machtlosigkeit öfter öffentlich zu vollziehen oder gar, wie Jürgen Klopp es vergangenen Mittwoch gelang, in heiterer Gelassenheit zu zelebrieren. Das würde umso mehr für die mutmassliche Bereitschaft gelten, dergleichen Akzente auch in Fällen grössten Erfolgs zu setzen. (…) Das Netz des Zufalls soll mithilfe von Big Data immer enger geschlossen und geknüpft werden. Was aber tritt im Ergebnis hervor? Je enger das Erfassungsnetz geknüpft ist, umso mehr winzige und potenziell entscheidende Löcher besitzt es auch. Anders gesagt könnte die eigentliche und durchaus paradoxe Moral der nunmehr erlangten Analyselevels in einem immer schärferen Bewusstsein dafür liegen, wie absolut unverfügbar der grosse Erfolg im Fussball in entscheidenden Situationen in Wahrheit ist. Und das nicht nur für einzelne Spiele, sondern durchaus auch ganze Saisons oder auch Trainerkarrieren. Was Big Data im Fussball für alle sichtbar offenlegt, wäre damit nicht etwa die fundamentale Beherrschbarkeit dieses Spiels, sondern das gerade Gegenteil. Jürgen Klopp, er zeigt und sagt es dieser Tage immer deutlicher, hat seinen tiefen Frieden mit dieser Einsicht bereits gefunden. Es ist ein wahrhaft grosser, urmenschlicher und damit unbedingt titelwürdiger Sieg. Den kann ihm niemand nehmen.»

Was im Fussball gilt, verhält sich in der Wirtschaft nicht viel anders. Führungskräfte müssen sich eingestehen, dass Erfolg trotz Big Data unberechenbar bleibt. So sollen Erfolge mit dem Team gefeiert und das Team bei Misserfolgen ermutigt werden. Als Führungskraft darf Misserfolg – und genauso der Erfolg – nie so nahe gehen, dass er einem aus dem Konzept bringt. Nach dem Misserfolg ist vor dem Erfolg – und umgekehrt.

Das Verhalten des Supertaktikers Klopp hat auch viel damit zu tun, was vor ihm liegt: Nur drei Tage danach war ein Sieg gegen Newcastle die einzige Chance, weiterhin auf den Premier-League-Titel hoffen zu dürfen. Und am nächsten Dienstag empfängt Liverpool Barça für das Rückspiel an der Anfield Road. Ein 3:0 gegen Barça aufzuholen, würde natürlich an ein Wunder grenzen. Doch Führungskräfte sind auch dafür da, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Wunder überhaupt möglich sind. Deshalb waren Klopps Worte nach dem Spiel in Barcelona für die Teammotivation ein grosser Gewinn.

Hier geht’s zum Klopp-Videointerview

Transparenzhinweis: Der Autor hat sich schon im Alter von 12 Jahren in Liverpool einen Fussball-Fanschal der Reds gekauft und ist hinsichtlich Fussball «nicht ganz neutral». Dies mag diesen Artikel leicht beeinflusst, aber hoffentlich nicht ungeniessbar gemacht haben.