«As an industry leader, we want to set an example in the marketplace when it comes to ethical values and professional standards.» So steht es auf der Website der Credit Suisse. Morgen Freitag bestimmt die Generalversammlung der Bank über die Vergütung der Geschäftsleitung. Der angekündigte Vergütungsvorschlag wurde so stark kritisiert, dass CEO Tidjane Thiam beschlossen hat, den geplanten Bonus freiwillig zu verringern. «Mir hat der Verzicht grossen Eindruck gemacht», wird VRP Urs Rohner im «Tages-Anzeiger» zitiert. Thiam würde nun statt 11,9 Millionen nur noch 10,24 Millionen verdienen – bei einem Jahresverlust von über zwei Milliarden. Thiam rechtfertigte sich gemäss «Bilanz»-Newsticker von Ende März: «Die Verluste sind das Resultat von Entscheidungen in früheren Jahren». Ob diese holperige Erklärung akzeptabel ist, darüber haben alleine die Aktionäre zu entscheiden.

Doch was bedeutet das Verhalten des CEO für die Unternehmensmarke? Insbesondere die Marke einer Bank muss bei ihren Kunden und Mitarbeitenden Vertrauen schaffen. Verhält sich schon der CEO zwar rechtlich korrekt, aber ethisch fragwürdig, wie werden sich dann wohl Mitarbeitende verhalten, wenn sie in unbeobachteten Momenten entscheiden müssen, ob sie den einfachen Weg wählen oder den beschwerlichen, für den Kunden langfristig aber profitableren? Wie soll verhindert werden, dass weitere Skandale die CS erschüttern, wenn nicht einmal für die Unternehmensspitze höchste Standards gelten? In der Schweiz gibt es durchaus Beispiele, wie man es besser macht. Ein prominentes Beispiel dafür ist der Implenia-CEO Anton Affentranger. Er verzichtete 2016 auf variable Lohnteile in der Höhe von 900’000 Franken. Wie die «Basler Zeitung» schrieb, begründete er den Verzicht mit «der persönlichen Betrachtung gegenüber den Mitarbeitenden und dem Respekt, was sie täglich leisten». Sein Kompensationspaket sei festgelegt worden, als der Aktienpreis bei 19 Franken lag. 2016 lag er bei rund 50 Franken. «Irgendwann fand ich, dass die Gewinnspanne genug gross geworden ist», sagte der Konzernchef.

Die Glaubwürdigkeit der Marke steht und fällt mit Entscheiden und Handlungen an der Unternehmensspitze. «Walk the talk» lautet die Devise. Ein CEO hat Führungs- und Vorbildfunktion. Gelebtes Leadership und höchstes persönlichen Engagement hat eine nicht zu überschätzende Auswirkung auf die interne und externe Markenwahrnehmung. Bis zum «Industry Leader», Branchenvorbild und zu einer Vertrauensmarke ist es für die Credit Suisse noch ein weiter Weg. Vielleicht macht ja ein Aktionär Herr Thiam an der GV darauf aufmerksam: «Credit Suisse deserves leadership and it’s leadership that deserves credit.»

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