Früher war alles besser? Nein, sagen die Köpfe hinter dem Fifteen Seconds Festival: Es war noch nie so gut wie heute. Und damit das Morgen noch erfolgreicher wird, um Menschen und Unternehmen zu inspirieren und weiterzubringen, haben zwei Jungunternehmer das Fifteen Seconds Festival in Graz gegründet. Einmal im Jahr veranstalten sie eine zweitägige Business-Konferenz mit internationalen Denkern und Machern zum Thema «Challenging the commercial future». In diesem Jahr zog das Festival 3000 Menschen an und bot ein spannendes, vielseitiges und vor allem inspirierendes Programm mit über 120 Speakern. Drei davon sind der Festivalbesucherin Ursina Grimm, Brand Consultant bei Heads, besonders in Erinnerung geblieben.

«Great innovations never come out of the industry.»
Sagte Maximilian Tayenthal, der mit dem Fintech Unternehmen «Number26» das Girokonto für die Smartphone-Generation umkrempeln möchte. Der Kopf bei Trend Watching, David Mattin, zeigte auf, wie das geht. Innovationen lösen Trends aus, welche damit auch Grundbedürfnisse und Erwartungshaltungen verändern. So hat beispielsweise Uber die gesamte Taxi- und Transportindustrie auf den Kopf gestellt. Neben der Transparenz über die Qualität der Fahrer und gewählte Routen, hat sich die Erwartungshaltung an die Wartezeit verändert. Die Bereitschaft, auf die Fahrleistung zu warten, hat von 15 Minuten auf 8 Minuten abgenommen. Das ist eine veränderte Erwartungshaltung, die durch Uber ausgelöst wurde und jetzt die gesamte Branche betrifft. Mattin empfiehlt, neue Innovationen und Trendbewegungen zu beobachten und dahingehend zu untersuchen, wie sie Grundbedürfnisse und Erwartungen verändern. Wenn man es dann schafft, diese Veränderungen auf die eigene Branche oder das eigene Business zu übertragen, führt dies zu neuen Produkten und Dienstleistungen, die Menschen in ihren veränderten Bedürfnissen treffen. Gerade jetzt könnte man sich überlegen, was der weltweite Hype um Pokémon Go für Veränderungen bringt, die man für sein Business nutzen kann.

«Coach thinking, not behaviour.»
Wie man erreicht, innovatives Denken unternehmensintern zu fördern, war das Thema von Stephen Gates. Er ist Head of Design bei Citigroup, der erste Design Direktor, den die Bank je anstellte. Er zeigte unter anderem auf, dass es Aufgabe des Leaderships ist, seine Mitarbeitenden zu befähigen, kreativ zu denken, in Innovationsprozessen einzubinden und sie damit zu motivieren, proaktiv an der Zukunft des Unternehmens teilzuhaben. Letztendlich würden innovative Unternehmen vom aktiven Beitrag all ihrer Mitarbeitenden leben. Stephen Gates arbeitet dabei oft mit dem Ansatz des Design Thinking, ein Prozess aus den 1960er-Jahren mit vordefinierten Arbeitsschritten, auf den heute wieder vermehrt zurückgegriffen wird. Dieser Prozess erlaubt es allen Personen – also auch Menschen, welche es von Natur aus nicht sind – kreativ zu denken. So können und werden auch Mitarbeitende ausserhalb der Kreativabteilung in den Innovationsprozess eingebunden: «Creativity is a team sport.» Es steigt damit nicht nur die Anzahl neuer Ideen, sondern auch ihre Durchsetzungskraft – ist man in den Entstehungsprozess miteinbezogen, ist man um ein Vielfaches mehr darin bestärkt, die neue Idee zu realisieren und anzutreiben. Denn um als Unternehmen Spitzenreiter zu sein, geht es nicht darum, die innovativsten Ideen zu haben, sondern darum, wer es schafft, die Innovationen auch in die Realität umzusetzen.

«Bei der Arbeit Katzenvideos schauen macht durchaus Sinn.»
Gute Laune ist ansteckend – darum sollte man, gerade als Vorgesetzter, in guter Stimmung sein, wenn man mit seinen Mitarbeitenden zusammenarbeitet. Davon überzeugt ist Nico Rose, Senior HR Director bei Bertelsmann, der sich öfters mal vor einem Meeting ein Katzenvideo anschaut. Das bringt ihn zum Lachen und in eine gute Stimmung, die er mit in die Sitzung nimmt. Seine Stimmung überträgt sich dann automatisch auf die Mitarbeitenden. Dies ist besonders in einem kreativen und innovativen Arbeitsumfeld wichtig. Gute Stimmung alleine genüge aber natürlich nicht zur Motivation. Genauso bedeutend sei es, dass die Mitarbeitenden immer genau wissen, wofür sie arbeiten – Sinnstiftung motiviert und treibt an. Wird ihnen von der Führung dieser Sinn vermittelt, entsteht ein besonders dynamisches und erfolgreiches Arbeitsklima. Mit dem Wissen über den tieferen Sinn von Katzenvideos – wir hatten es wirklich noch nie so gut wie heute.

Fifteen Seconds Festival