Im Rahmen des Schweizer Markenkongresses hat die Swiss Academy of Marketing Science zum dritten Mal ihren Ehrenpreis verliehen. Der Hublot-CEO Jean-Claude Biver wurde aufgrund seines «Visionärtums für die Schweizer Uhrenindustrie sowie seiner Courage und Inspiration als Persönlichkeit für die Manager von Morgen» ausgezeichnet. Biver hatte 1982 die Marke Blancpain für 22’000 Franken gekauft und verkaufte sie zehn Jahre später für 60 Millionen Franken an die heutige Swatch Group. In dieser Gruppe betreute er für zehn Jahre die Marke Omega. Als er Omega verliess, hatten sich die Umsätze nahezu verdreifacht. 2004 wurde er CEO von Hublot und binnen vier Jahren wuchs der Umsatz von 25 Millionen auf mehr als 200 Millionen Franken im Jahr 2008; in diesem Jahr wurde die Marke an den Luxusgüterkonzern LVMH verkauft. Biver ist weiter mit dem Wachstum von Hublot beschäftigt und bei LVMH zusätzlich für die Marken TAG Heuer und Zenith verantwortlich. Per Skype dem Marketingkongress zugeschaltet, machte der Schweizer Marketing-Superstar den Marketingfachleuten Mut: «In jeder Krise gibt es Opportunitäten. Man muss die Krise als Freund nehmen und sagen; Krise, komm mal her, zeig mir mal, was Du alles hast, wir werden zusammen ein Stück des Weges machen. Wenn man aber Angst hat von der Krise und sie bekämpfen will, verliert man. Die Krise ist immer stärker. Also muss man sie mitnehmen.» Dazu gehöre auch, wie es Konfuzius sagte, gegen den Strom zu schwimmen. Mit dem Strom zu schwimmen würden nur die toten Fische. Biver relativierte aber sogleich: Man dürfe schon Stromabwärts schwimmen, dann aber einfach viel schneller als der Strom. Auf den Zustand der Uhrenindustrie angesprochen meinte er, man soll nicht zu sehr beunruhigt sein. Schliesslich seien die Schweizer immer noch Leader bei den hochwertigen Uhren. Und die Schweizer Kunst der Uhrenherstellung sei ein Vorteil, denn Kunst sei ewig: «Die Kunst von Mozart ist immer noch da. Die Kunst von Picasso ist immer noch da. Also müssen wir uns beruhigen und wissen, dass es für uns immer noch sehr gute Zeiten sind.» Natürlich müssten wir uns trotzdem mit den neuen Trends befassen und uns bewusst sein, dass jüngere Generationen ganz anders denken. «Am 18. September bin ich mit einem 16-jährigen Jungen nach Japan geflogen, damit er mir Tokio zeigt. Ich war in meinem Leben schon 142-mal in Tokio. Aber immer in meinem Tokio, in meinen Strassen, in meinen Geschäften. Ich hatte noch nie das Tokio der Jugend besucht. Bei dieser Reise erlebte ich eindrücklich, wie diese Generation einen ganz anderen Geschmack, ganz andere Vorstellungen hat.» Trotzdem würde nicht alles Neue das Traditionelle ablösen. Trends wie die «Smart Watch» würden nicht ewig andauern. Eine «Smart Watch» werde irgendwann obsolet und es sei ja schon verrückt, dass man in etwas investieren müsse, von dem man schon weiss, dass es keine grosse Zukunft habe. Die Investition ins traditionelle Uhrengeschäft hingegen sei eine Investition in die Zukunft. «Ich trage immer noch eine Uhr aus dem Jahre 1945, die mir mein Vater geschenkt hat. Und wissen Sie was? Diese Uhr läuft immer noch!»