Dass Employer Branding mehr ist, als die berühmte Rutschbahn in den Google-Büros, ist inzwischen bei den meisten Unternehmen angekommen. Nichts gegen das plakative und für viele junge Talente attraktive Signal für die Spass-Atmosphäre, die der Suchmaschinen-Gigant seinen Mitarbeitenden bieten will. Google stärkt so nicht nur die Arbeitgebermarke, sondern erzielt damit offenbar wirklich eine Leistungssteigerung. Gerne würde man mehr über das Ausmass dieser Leistungssteigerung wissen, aber Google hält sich diesbezüglich bedeckt. Trotzdem ist es nachvollziehbar, dass mit dem Unternehmen emotional verbundene, zufriedene Mitarbeitende besser arbeiten. Doch ist es aus ökonomischen Überlegungen ratsam, gezielte Investitionen zu treffen, um Mitarbeitende emotional an das Unternehmen zu binden? Rechnet sich das wirklich? «Ja, und es lässt sich auch empirisch belegen», sagte an der Perikom-Jahrestagung im vergangenen Monat Prof. Dr. Antoinette Weibel von der Hochschule St. Gallen und lieferte dazu die Fakten. Sie verwies auf verschiedene Studien, die belegen, dass eine emotionale Bindung zum Unternehmen eine Leistungsdifferenz von bis zu 30% ausmache, dass fünfmal weniger arbeitsbedingte Unfälle passieren und sich die Fluktuation unter den Mitarbeitenden um bis zu 66% reduziere. Bei einer hohen Bindung zum Unternehmen erhöhe sich überdies die Produktivität um bis zu 25%. Und auch auf die Kundenloyalität habe die emotionale Bindung der Mitarbeitenden einen Einfluss: eine Verbesserung von 2% der emotionalen Bindung führe zu einer Verbesserung der Kundenloyalität um 1%. An der Arbeitgeberattraktivität zu arbeiten, kann sich also erwiesenermassen auszahlen. Ob Employer Branding seine Wirkung entfalten kann, hängt aber auch davon ab, auf welcher strategischen Basis es entwickelt wird. Wirkungsvolles Employer Branding entsteht weder durch die Kopie der «Google-Rutschbahn», noch in einem Brainstorming der Geschäftsleitung. Vielmehr muss akribisch ermittelt werden, welche authentischen, gelebten und differenzierenden Werte des Unternehmens die Arbeitgebermarke für die internen und externen Talente wirklich begehrlich machen. Welche Sinnhaftigkeit und welchen Gestaltungsraum kann das Unternehmen seinen bestehenden wie potenziellen Mitarbeitenden bieten? Wie kann die Zugehörigkeit zum Unternehmen das Selbstwertgefühl des einzelnen steigern? Erst im Verständnis des emotionalen Nutzens, den das Unternehmen stiften kann, wird es möglich, zielführende Employer Branding Massnahmen zu entwickeln. Massnahmen, die sich rechnen, weil sie Signalwirkung haben und das wertvolle Gut der emotionalen Bindung fördern.